Aktuelle Rezensionen
kulturbuchtipps.de veröffentlicht regelmäßig Rezensionen zu neuen Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften.
Hier sehen Sie eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Rezensionen bei kulturbuchtipps.de:
Bernhard Pörksen, Hanne Detel: “Der entfesselte Skandal”
Deutschland wird Zeuge einer beispiellosen Rückrufaktion. Doktorwürden wurden offenbar nicht nur in Einzelfällen, sondern reihenweise ungeprüft vergeben. Der nachträgliche Entzug des Doktortitels nach einer eingehenden fachlichen Prüfung und der damit meist einhergehenden Selbstbezichtigung der/des Beschuldigten können nur im Nachhinein den Rechtszustand wiederherstellen, jedoch nur in wenigen Fällen den nachhaltigen Schaden des Ansehens der Universitäten und des Professorenstands insgesamt abwenden.
Kathrin Fischer: “Generation Laminat – Mit uns beginnt der Abstieg”
Es gibt Leute, die führen ein Leben auf Pump. Sie schnorren sich durch und geben vor, jemand zu sein, der sie gar nicht sind.
Und es gibt Leute, die sind fleißig, haben einen relativ gut bezahlten Job, manchmal sogar eine Arbeit, die sie ausfüllt, eine Familie, die gesund ist und zusammen hält – und trotzdem reicht das Geld nicht, um den Lebensstandard zu halten, den man aus seiner Jugendzeit und von den Eltern kannte.
N.N.: “Der Untergang der Titanic – Nach Berichten von geretteten Augenzeugen”
Auf den großen Flüchtlingsschiffen des Zweiten Weltkriegs, der „Cap Arkona“ und der „Wilhelm Gustloff“ ertranken weit mehr Menschen in den kalten Fluten der Ostsee. Auf dem Weg nach Lampedusa kommen täglich Flüchtlinge aus Nordafrika in ihren Booten ums Leben.
Und trotzdem übt auch heute noch der Untergang der Titanic eine seltsame Faszination auf uns aus. Vielleicht weil gerade die Titanic jenen unglaublichen Luxus und gleichzeitig jenes unbeschreibliche Grauen in einem Namen vereint.
Das Wort Kanon ist eine Entlehnung aus lateinisch canon = Norm, Regel, das ursprünglich aus dem Griechischen κανών, kanón = Leitfaden, Maßstab, etwas Mustergültiges, Maßgebendes stammt.
Brauchen wir einen Kanon der deutschen Kultur? Sollte es einen verbindlichen Kern kultureller Wissenswerte geben, die an Schüler vermittelt werden sollen?
Wie sieht ein guter Staat aus? „Nie waren die Ausgaben der Wohlfahrtsstaaten so hoch wie heute. Nie war der Grad der Verschuldung dieser Staaten so groß wie heute. Nie war die Krise der Wohlfahrtstaaten so manifest wie heute. Aber liefern die Staaten ihren Bürgern für das viele Geld wenigstens ausreichend Wohlfahrt, Sicherheit und Gleichheit? Hat das Ganze wenigstens irgendeinen erkennbaren Nutzen? Lohnt sich der üppige Staat?“
Rainer Hank, der diese Fragen stellt, hat auch eine klare Antwort parat: nein.
Friederike Wißmann: “Hanns Eisler – Komponist. Weltbürger. Revolutionär”
Johannes Eisler kam als Sohn eines Philosophen und einer Fleischerstochter am 6. Juli 1898 in Leipzig zur Welt. Während er Vater Rudolf mit jenem dem Zeitgeschmack entsprechenden Abstand ehrte, stilisierte er zeitlebens die Mutter zur Arbeiterin hoch.
Seine Kindheit verbrachte Eisler in Wien. Schon bald erkannten die Eltern seine musikalischen Neigungen und förderten sie.
Else Buschheuer: “Verrückt bleiben! – Mein Leitfaden für freie Radikale”
“Die Masse der Menschen führt ein Leben in stiller Verzweiflung.” Dieser bemerkenswerte Satz stammt von Henry David Thoreau. Vor fast 160 Jahren beschrieb er in “Walden” sein Einsiedlerleben in einer Blockhütte, in die er sich 1845 in die er sich in die Wälder von Concord (Massachussetts) am Walden Pond zurückzog.
Dieser Satz von den Menschen in stiller Verzweiflung scheint wie auf unsere heutige Zeit zugeschnitten. Wir sind gestresst, gehetzt von einer unbarmherzigen Durchttaktung unseres Alltags, erbarmungslos unterworfen einem Diktat permanenter Verfügbarkeit und der völligen Aufhebung der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben.
Annette Seemann: “Weimar – Eine Kulturgeschichte”
Die Geschichte beginnt vor etwa 230.000 Jahren, als sich einige Jäger und Sammler unter günstigen klimatischen Bedingungen im Zentrum des Thüringer Beckens ansiedelten und ihren Beschäftigungen nachgingen. Doch bis zur Gründung der Stadt Weimar und ihrer ersten urkundlichen Erwähnung sollten noch einige Hunderttausend Jahre vergehen.
Im Jahr 1249 war es endlich so weit: Die älteste überlieferte Erwähnung stammt aus einer Urkunde des Zisterzienserinnenklosters Oberweimar, in der von einem „Conradus Plebanus de Wimare“ die Rede ist. Zuvor erwähnte eine Urkunde der Siedlungsgebiete König Arnulfs schon 899 ein gewisses „Vvigmara“.
Marion Gräfin Dönhoff: “Zeichen ihrer Zeit” – Erinnerungen zum 10. Todestaag am 11.03.12
Der zehnte Todestag von Marion Gräfin Dönhoff ist ein trauriger und dennoch guter Anlass, sich eingehender mit dem Leben und Werk der wohl bedeutendsten deutschen Publizistin der Nachkriegszeit zu beschäftigen.
Geboren zur Kaiserzeit im ostpreußischen Friedrichstein an einem kalten Dezembertag im Jahre 1909, studierte sie zunächst Volkswirtschaft in Frankfurt und Basel. Bis zum Kriegsende leitete sie das elterliche Gut in Ostpreußen.
Nach der gelungenen Flucht in Richtung Westen wurde sie in Hamburg eher durch Zufall eines der Gründungsmitglieder einer neuen Zeitung: DIE ZEIT. Der Rest ist Geschichte.
Gabriele Farke: “Gefangen im Netz? – Onlinesucht: Chats, Onlinespiele, Cybersex”
Der Übergang von einem intensiven und sinnvollen Gebrauch des Internets hin zu einem suchtartigen Verhalten, bei dem auf die Online-Welt nicht mehr verzichtet werden kann, erfolgt schleichend.
Die Ursachen für ein Abrutschen in die Onlinesucht sind nicht nur, aber eben auch eine Frage des Charakters und der Veranlagungen.
Wenn zwei große Schriftsteller miteinander befreundet sind und über mehrere Jahre miteinander korrespondieren, so ist eine spannende Lektüre garantiert. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und dem dreizehn Jahre älteren Stefan Zweig liest sich wie eine aus unzähligen persönlichen Erfahrungen zusammen gesetzte Collage vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der 1930er Jahre.
Oliver Leistert, Theo Röhle (Hg.): “Generation Facebook – Über das Leben im Social Net”
Der vorliegende Reader, herausgegeben von den beiden Medienwissenschaftlern Oliver Leistert und Theo Röhle, versammelt Aufsätze zum Phänomen Facebook.
Insgesamt äußern sich 21 Soziologen, Medien- und Kulturwissenschaftler zum weltgrößten sozialen Netzwerk. Wäre Facebook ein Land, so wäre es mit seinen über 800 Millionen Nutzern das Land mit der drittgrößten Bevölkerung nach China und Indien. Solch ein Koloss bildet nicht nur einen eigenständigen Kulturraum, sondern besitzt auch die Kraft, auf das Leben und den Alltag in den Ländern seiner Benutzer auszustrahlen.
Ulrich Schnabel: “Muße – Vom Glück des Nichtstuns”
Die Kunst des Nichtstuns ist aus der Mode gekommen. Oft wird Muße mit Müßiggang in Verbinddung gebracht, was leider falsch ist. Während der Müßiggänger einen natürlichen, ja manchmal sogar professionellen Hang zum Faulsein pflegt, ist, wer der eigenen Muße nachgeht bzw. sie hat, nur scheinbar inaktiv.
Die Muße kann mitunter den Geist in einen sehr produktiven und kreativen Zustand versetzen, der nicht nur die mentalen Batterien auflädt, sondern zu ganz neuen Ideen und Problemlösungen verhelfen kann. Muße kann man trainieren. Sie nicht nur im Jahresurlaub oder an den Wochenenden wie einen alten Jogginganzug aus dem Schrank zu holen, sondern sie täglich zu üben und in ihr den Gedanken ihren freien Lauf zu lassen, ist der Königsweg der Lebenskunst in einer hektischen und von Stressfaktoren geprägten Umwelt.
Dambisa Moyo: “Der Untergang des Westens – Haben wir eine Chance in der neuen Wirtschaftsordnung?”
Was passiert eigentlich mit uns, wenn der Euro kracht, die Afrikaner künftig noch größere und seefestere Schiffe bauen und die Chinesen noch reicher und zahlreicher werden? Haben Europa und die westliche Welt noch eine Überlebenschance? Oder geht das Abendland nun doch knapp neunzig Jahre nach seinem von Oswald Spengler prognostizierten Ende unter?
Manfred Geier: “Aufklärung – Das europäische Projekt”
Es begann mit der Glorreichen Revolution in England 1689, setzte sich fort in radikaler Auslegung durch französische Gelehrte bis zur Französischen Revolution 1789 und wurde von den deutschen Philosophen zwar weniger politisch, weniger kirchen- und staatskritisch, dafür mit einer umso stärkeren Betonung des individuellen Lebensglücks und der Freiheit des eigenen Verstandes verknüpft. Die Rede ist von der Aufklärung, dem Enlightenment, Illuminismo oder den Lumière philosophiques.
Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim: “Fernliebe”
Das Soziologen-Ehepaar Beck-Gernsheim schreibt ein Buch über Fernliebe. Sie ist Gastprofessorin in Trondheim, er an der Londoner School of Economics and Political Science. Da werden die Gefahren und Chancen einer Fernbeziehung für einen Soziologen fast schon zu einem selbstverständlichen und nahe liegenden Thema.
In ihrem Buch haben die beiden Autoren ihre Untersuchungen in zehn spannenden Kapiteln zusammengefasst. Sie zeigen, wie sich in unserer globalisierten Welt die Familienstrukturen und Liebesbeziehungen verändern. Neben der klassischen Form der Familie, die am gleichen Ort lebt, gibt es seit einiger Zeit und in zunehmendem Maße die disperse, dezentrale Familienstruktur. In ihr leben die Partner zeitweilig oder dauerhaft an verschiedenen Orten.
Hans-Joachim Lang: “Die Frauen von Block 10 – Medizinische Versuche in Auschwitz”
Wahrscheinlich wird es nie ein Ende nehmen, und das ist auch gut so. Wahrscheinlich werden wir auch in Zukunft immer wieder in neuen Facetten von den unzähligen Gräueltaten der Nazizeit und den menschenverachtenden Zuständen in den Konzentrationslagern hören müssen.
Das Morden war zu systematisch, das Mitmachen zu engagiert, das Wegsehen zu kollektiv und das Endziel der totalen Vernichtung der Juden zu unglaublich, als dass es jemals ein Schweigen über diese Zeit des Terrors geben darf.
Rolf Keller: “Sowjetische Kriegsgefangene im Deutschen Reich 1941/42”
Es gibt Bücher, die treffen uns mit voller Wucht. Die Intensität der Darstellung und die plastische Aufbereitung der erschreckenden Fakten lassen das Geschehene derart eindringlich und geradezu überlebensgroß erscheinen, dass es droht uns zu überwältigen.
Der Titel des vorliegenden Buches klingt zunächst vertraut. Wir wissen alle, dass während des Zweiten Weltkriegs im Russlandfeldzug viele tausend sowjetische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten. Die deutsche Wehrmacht überrannte vor allem in der Anfangsphase des Kriegs an der Ostfront große Teile des Westens der Sowjetunion. Hierdurch wurden immer wieder ganze Truppenteile der Sowjetarmee von ihren Kameraden abgeschnitten und gerieten in Gefangenschaft.
ZEIT-Akademie (Hg.): DVD-Seminar “Literatur – Deutschsprachige Gegenwartsliteratur nach 1945″
Kein neues Buch, aber eine DVD-Reihe, die garantiert Lust aufs Lesen macht: Das DVD-Seminar „Literatur“ der ZEIT-Akademie ist das gelungene Beispiel für Erwachsenenbildung mit Hilfe von neuen Medien. Gewohnt hanseatisch zurückhaltend werden hier auf vier DVDs in zwanzig Lektionen von Prof. Dr. Sandra Richter die wichtigsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur exemplarisch vorgestellt.
Richard David Precht: “Warum gibt es alles und nicht nichts? – Ein Ausflug in die Philosophie”
Nehmen wir mal an, Sie haben einen Sohn, der ist vielleicht sieben, acht Jahre alt. Sie gehen mit ihm in den Zoo und landen während ihres zwanglosen Gesprächs über den Zitteraal plötzlich im Mittelalter und erzählen etwas über Philosophie. Wie wird ihr Sohn darauf reagieren? Wahrscheinlich würde er Ihnen einen Vogel zeigen und sogleich wieder zu seinen Zitteraal-Beobachtungen zurück kehren. Doch Oskar ist anders, er ist der Sohn von Richard David Precht, ist somit von Klein auf anders sozialisiert, und Richard David Precht darf ungestört die zarte Kinderseele mit philosophischen Fragen behelligen.
Charles Dickens lesen! – Buchempfehlungen zum 200. Geburtstag
Der zweihundertste Geburtstag von Charles Dickens am 07. Februar 2012 ist ein willkommener Anlass, um eine seiner vielen berühmten Geschichten zu lesen. Für manchen mag dies ein Wiedersehen mit alten Bekannten sein, für Andere ist es vielleicht das erste Mal, dass sie mit Charles Dickens in Berührung kommen.
Charles Dickens: 200. Geburtstag am 7. Februar 2012
Kaum einer konnte so hinreißend und detailreich erzählen wie er, und doch wurde kaum ein Schriftsteller dabei so kontrovers diskutiert und geriet so sehr zwischen die Fronten von populärer und hoher Literatur. Oft wurde an Dickens die Leichtigkeit, ja Seichtigkeit und moraline Säuerlichkeit seiner Geschichten kritisiert, wobei man verdrängt, dass kaum einer wie Charles Dickens das England des 19. Jahrhunderts in seinen Geschichten abbildet.
Julius H. Schoeps (Hg.): “Preussen – Geschichte eines Mythos”
Und noch ein Preußen-Buch. Die haben in diesen Tagen Hochkonjunktur – kein Wunder, schließlich feiern wir ja den 300. Geburtstag Friedrich des Großen. Doch aus der Vielzahl von Neuerscheinungen zum Thema stricht dieser von Julius H. Schoeps, der von 1991-2007 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam war und bis heute Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien ist. Von ihm stammen mehrere fachlich ausgezeichnete Publikationen zur preußischen und deutschen Geschichte, zuletzt zur Geschichte der Familie Mendelssohn

Berthold Franke u.a. (Hg.): “Kanon und Bestenlisten – Was gilt in der Kultur? Was zählt für Deutschlands Nachbarn?”
Rainer Hank: “Die Pleite-Republik – Wie der Schuldenstaat uns entmündigt und wie wir uns befreien können”
Madeleine Rietra, Rainer-Joachim Siegel (Hg.): “Joseph Roth und Stefan Zweig – Briefwechsel 1927-1938″


